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37e 17 - 26.03.2023

Das FIFF beschreitet neue Wege

Monty Python's The Meaning of Life, Terry Jones, 1983
Monty Python's The Meaning of Life, Terry Jones, 1983

Das Internationale Filmfestival Freiburg (FIFF), das vom 18. bis 27. März 2022 stattfindet, gibt das Programm seiner Sektion Entschlüsselt: Context culture bekannt. Dreissig der bekanntesten Schweizer Komiker*innen haben uns Komödien genannt, die heute wahrscheinlich nicht mehr gedreht werden könnten. Das Festival ordnet diese Kultfilme in den Kontext ihrer Zeit ein, betrachtet sie unter dem Aspekt der heute geltenden gesellschaftlichen und rechtlichen Grundwerte und stösst eine Debatte an. Zudem beschreitet das FIFF in seiner 36. Ausgabe mit der Einführung von Cutscene neue Wege und gibt kreativen Schweizer Videogames mit Bezug zum Programm 2022 eine Bühne. Das eigens für das FIFF entwickelte Videogame Un dernier Film spielt im postapokalyptischen Freiburg und steht ab sofort auf fiff.ch/cutscene zur Verfügung.

Das FIFF entschlüsselt die Context culture
Sollen alte Filme, die den Sexismus und den Rassismus ihrer Zeit widerspiegeln, einfach in der Versenkung verschwinden? Das FIFF ist der Meinung, dass mit pädagogischer Vermittlung mehr erreicht wird als mit Zensur und stellt der Cancel culture die Context culture gegenüber: ohne Verständnis der Vergangenheit keine Zukunft, ohne Erinnerung kein Fortschritt. Thierry Jobin, künstlerischer Leiter, erklärt: «Festivals sind ein idealer Ort für den Austausch und die Begegnung. Nach den langen Monaten der Pandemie ist die Gesellschaft gespalten wie nie zuvor. Wir haben alle zu viel Zeit damit verbracht, alleine Filme zu schauen und uns auf den sozialen Netzwerken abzureagieren – das pure Gegenteil einer lebhaften Debatte. Diese Situation hat selbst in Kreisen, die sich progressiv geben, zu einem Rückschritt geführt: In Kanada kam es zu Bücherverbrennungen, Märchen werden an den Pranger gestellt und Filme aussortiert. Als Gegenreaktion darauf haben wir hundert Schweizer Komiker*innen gebeten, uns Komödien zu nennen, die 2022 unmöglich produziert werden könnten.» Dreissig von ihnen haben geantwortet, darunter Gardi Hutter, Joseph Gorgoni, Viktor Giacobbo, Claude-Inga Barbey, Yann Lambiel, Vincent Kucholl und Vincent Veillon. Emil Steinberger hat für das FIFF sogar Filmtitel mitsamt ihren Werbeslogans erfunden (siehe unten). Die meistgenannten Filme werden in der Sektion Entschlüsselt: Context culture gezeigt. «Interessanterweise handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der genannten Filme um altbekannte Komödien aus den 1970er- und 1980er-Jahren, die regelmässig und mit grossem Erfolg am Fernsehen gezeigt werden», sagt Thierry Jobin. «Sie gehören fraglos zu unserem Kulturerbe und unserem kollektiven Bewusstsein. Wir geben dem Publikum die Möglichkeit, sich in den Kontext ihrer Entstehung zurückzuversetzen. Dabei wird es auch sehen, dass ihre Produktion bereits damals alles andere als einfach war.»

Als Ergänzung zur Sektion steht am Sonntag, 20. März, eine humoristische Gerichtsverhandlung auf dem Programm: Le grand procès de la comédie – Une justice de parodie (nur auf Französisch). Marc Boivin, Richter am Kantonsgericht und Komiker, wird den Vorsitz des Sondergerichts übernehmen, vor dem die zehn ausgewählten Filme unter juristischen und kulturellen Gesichtspunkten beurteilt werden, insbesondere unter den Aspekten Blasphemie, Unsittlichkeit, Diskriminierung oder kulturelle Aneignung. Er sagt dazu: «Lachen ist ein zutiefst menschlicher Akt. Es ist von Natur aus grenzüberschreitend und kann deshalb unter Umständen unangemessen oder sogar inakzeptabel sein. Aber in Bezug auf was? Auf das Gesetz? Die Moral? Religiöse oder politische Werte? Normen entwickeln sich ständig weiter, und diese Kultkomödien haben möglicherweise die Hürden der Zeit besser überwunden als die Hürden der Generationen. Deshalb sollten sie in Zeiten, in denen Humor pauschal verurteilt wird, auch aus einem kulturellen Blickwinkel beleuchtet werden.» Stéphane Babey, Chefredaktor des Satiremagazins Vigousse, übernimmt die Rolle des Staatsanwalts – und witzelt voller Vorfreude: «Die Werke der Vergangenheit müssen viel willkürlicher zensuriert werden. Das trifft sich gut, ich habe viele Ideen, wie dies durchgesetzt werden kann!» Im Zeugenstand stehen unter anderem Brigitte Rosset und Gérard Mermet. «Das Urteil wird von der einzigen kompetenten Jury gefällt: dem Publikum des FIFF!», freut sich Marc Boivin.
 

Un dernier film, jeu vidéo par Arnow, Qui et Nello, FIFF22

Videogames auf der FIFF-Grossleinwand: Cutscene, 19.-26. März
Das Programm Cutscene (Fachjargon für eine Unterbrechung des Videospiels durch eine Filmszene) ist in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Verein Swiss Game Center entstanden und gibt einen Überblick über das heimische Schaffen im Bereich der Videogames. Fast alle Spiele haben einen Bezug zu einem der zentralen Themen des FIFF22: der Postapokalypse. Beispiele dafür sind u.a. Mundaun, eine mit Bleistift gezeichnete Horrorgeschichte aus Luzern, die 2021 als bestes Schweizer Game ausgezeichnet wurde, und Ninza, ein in Freiburg entwickeltes Spiel. Das Publikum hat die Gelegenheit, im Kinosaal ARENA 8 auf der Grossleinwand Games zu spielen, sich mit deren Entwickler*innen auszutauschen, an Vorträgen, Performances und Turnieren teilzunehmen oder den Themenabend am Samstag, 19. März, im Nouveau Monde zu besuchen.

Den Auftakt des neuen Programms Cutscene bildet ein Videospiel, das von drei Freiburgern eigens für das FIFF entwickelt wurde. Im Game Un dernier Film ist eine junge Frau die einzige Überlebende in einer postapokalyptischen Welt. Mit ihrem Hund durchstreift sie die in Trümmern liegende Stadt Freiburg auf der Suche nach Filmen – der einzigen Erinnerung an eine nicht mehr existierende Welt.
Das vollständige Programm von Cutscene sowie das Spiel Un dernier Film stehen auf fiff.ch/cutscene zur Verfügung.

Die Pressemitteilung als PDF herunterladen


ENTSCHLÜSSELT: Context Culture

Sollen alte Filme, die den Sexismus und den Rassismus ihrer Zeit widerspiegeln, einfach in der Versenkung verschwinden, wie es die Cancel Culture empfiehlt? Das FIFF glaubt vielmehr an eine Kultur der Kontextualisierung und der pädagogischen Vermittlung anstelle der Ausmerzung. Ohne Vergangenheit keine Zukunft!
Wir haben 90 Schweizer Komiker*innen gebeten, uns Komödien zu nennen, die 2022 unmöglich produziert werden könnten. 39 haben nie geantwortet. 21 haben eine Teilnahme explizit abgelehnt, weil sie der Debatte «Kann man über alles lachen?» überdrüssig sind oder die Cancel Culture befürworten. 30 haben mitgemacht.

DIE FILME

LES AVENTURES DE RABBI JACOB
Gérard Oury, 1973
France, Italy
LE GENDARME ET LES GENDARMETTES
Jean Girault, 1982
France
LES VALSEUSES
Bertrand Blier, 1974
France
CALMOS
Bertrand Blier, 1976
France
LA CAGE AUX FOLLES
Édouard Molinaro, 1978
France, Italy
LA GRANDE BOUFFE
Marco Ferreri, 1973
France, Italy
MONTY PYTHON’S LIFE OF BRIAN
Terry Jones, 1979
UK
THE PARTY
Blake Edwards, 1968
USA
C’EST ARRIVÉ PRÈS DE CHEZ VOUS
Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoît Poelvoorde, 1974
Belgium
MONTY PYTHON’S THE MEANING OF LIFE
Terry Jones, 1983
UK

Trailers und buchung


DIE EVENTS

Le grand procès de la comédie - Une justice de parodie
Sonntag 20.03 | 18:00 - 19:30
ARENA 4
(Nur auf Französisch)
 

Die 30 schweizer Komiker*innen, die mitgemacht haben
Noël Antonini, Pierre Aucaigne, Stéphane Babey, Claude-Inga Barbey, Marc Boivin, Christophe Bugnon, Benjamin Cuche, Laurent Deshusses, Nathalie Devantay, Hans Fässler, Laurent Flutsch, Jean-Luc Fornelli, Viktor Giacobbo, Joseph Gorgoni, Kaya Güner, Carlos Henriquez, Gardi Hutter, Vincent Kucholl, Yann Lambiel, Gérard Mermet, Thierry Meury, Frédéric Recrosio, Julia Roos, Brigitte Rosset, Beat Schlatter, Jean-Charles Simon, Karim Slama, Emil Steinberger, Vincent Veillon, Sandrine Viglino.

Emil Steinberger hat für das FIFF sogar Filmtitel mitsamt ihren Werbeslogans erfunden.

  • Die Schweizer Mond-Kuh. Wenn Schweizer Kühe zum Mond reisen (Dok)
  • Flug der Schweizer Bienen. Der abenteuerliche Flug der Schweizer Bienen nach Peking
  • Heidi 1898. Das Leben der ersten Schweizer Influencerin im Jahre 1898
  • James Bond in Wassen. Mike Müller verirrt sich als James Bond verkleidet im « Chileli » von Wassen
  • Ha Ha Ha. Wie Schweizer ohne Humor überleben (Dok)
  • Gotthard. Velo-rennen durch den 57-Kilometer-Tunnel und Rückfahrt über den Pass zurück nach Airolo (Reportage)
  • Geld spielt keine Rolle. Musical-Film mit Bundesrat Maurer und seinem Departement als Chor und Tänzer*innen

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