Die 40. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Freiburg (FIFF) endet mit einem neuen Publikumsrekord, wobei über sechzig Vorstellungen ausverkauft waren. An der Schlussfeier vom Samstagabend wurden fünf der zwölf Langfilme und drei der fünfzehn Kurzfilme in den internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Zudem erhielt die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania den Fribourg Cinema Award, der zum ersten Mal verliehen wurde. Der Grand Prix 2026 geht an die iranische Satire Divine Comedy von Ali Asgari. Der nigerianische Beitrag My Father’s Shadow erhält den Special Jury Award. Der Best International Short Film Award geht mit Prehistoric von Armin Etemadi zum dritten Mal in Folge in den Iran. Auch die Ukraine trumpft auf: Der Spielfilm Honeymoon gewinnt den Critics’ Choice Award und den Youth Jury Award, der Kurzfilm Easter Day den Seniors’ Jury Award. Die Ökumenische Jury zeichnet den chinesischen Film The Sun Rises on Us All aus. Die Publikumsabstimmung für den Audience Award gewinnt der nordmazedonische Beitrag DJ Ahmet. Das FIFF ist mit der Schlussfeier nicht zu Ende: Am 29. März werden gewisse prämierte Filme im Kino cinemotion Rex noch einmal gezeigt, bis zum 30. April läuft ein Online-Angebot, und während des ganzen Jahres gibt es die Délices du FIFF und das Petit FIFF.
Der Grand Prix des 40. FIFF geht an Divine Comedy des iranischen Regisseurs Ali Asgari, einen Film, der die Absurdität von Bürokratie und Zensur im Iran offenlegt. Die internationale Langfilm-Jury, bestehend aus Manuel Abramovich (Argentinien, Deutschland), Milcah Cherotich (Kenia) und Ahmad Ghossein (Libanon), unterstreicht in ihrer Begründung die Relevanz des vom iranischen Kulturministerium verbotenen Filmes in einem geopolitischen Kontext der Unterdrückung und der Aushöhlung der öffentlichen Freiheit: «In einer von Krieg und Leid geprägten Welt, in einem Land, in dem Filmschaffende ständig improvisieren und neue Wege finden müssen, um ihre Bilder zu produzieren, erinnert der Film daran, dass Künstlerinnen und Künstler ihre kreative Arbeit, den Ausdruck ihres Unbehagens und den Widerstand fortsetzen müssen.» Dank dem Schweizer Verleiher trigon-film ist der Film ab dem 23. April in den Deutschschweizer und Tessiner und ab dem 29. April in den Westschweizer Kinos zu sehen. Der Special Jury Award, ebenfalls vergeben von der internationalen Langfilm-Jury, ehrt den nigerianischen Film My Father’s Shadow von Akinola Davies Jr., der, so die Jury, «eine stille, emotionale Wahrheit vermittelt, die ausserordentlich einfühlsam von Trauer, Liebe und Erinnerung erzählt.»
Mit dem Critics’ Choice Award und dem Youth Jury Award ist Honeymoon der ukrainischen Regisseurin Zhanna Ozirna der einzige Film des Jahrgangs 2026, der zwei Preise erhält. Die Jury der Filmkritikerinnen und -kritiker hebt in ihrer Begründung die Entscheidung hervor, «vor Ort in der Ukraine zu drehen und das Filmemachen als Ausdruck von Präsenz und Haltung zu nutzen». Die Jugendjury ihrerseits zeigt sich beeindruckt von «einem aufwühlenden Werk, dem es gelingt, die Verfremdung des Alltags durch einen Krieg einzufangen, der sich ganz in unserer Nähe abspielt». Der Ecumenical Jury Award ehrt die «zurückhaltende und treffsichere» Bildsprache des chinesischen Spielfilms The Sun Rises on Us All von Cai Shangjun.
Der begehrte Audience Award zeichnet die nordmazedonische Produktion DJ Ahmet von Georgi M. Unkovski aus. trigon-film bringt den Spielfilm, der am FIFF viermal vor ausverkauften Reihen gezeigt wurde, ab dem 2. April in die Deutschschweizer und ab dem 8. April in die Westschweizer Kinos. DJ Ahmet war mit nicht weniger als 24 Vorstellungen auch im Rahmen des Schulprogramms Planète Cinéma äusserst beliebt. Letzteres war 2026 so erfolgreich wie nie seit der Corona-Pandemie: Über 12’000 Schülerinnen und Schüler haben verschiedene Filme aus dem FIFF-Programm gesehen.
Bei den Kurzfilmen geht der Best International Short Film Award mit Prehistoric von Armin Etemadi zum dritten Mal in Folge in den Iran. Die Jury, bestehend aus Manon Mullener (Schweiz), Michel FR (Schweiz) und Gérard-Philippe Mabillard (Schweiz), lobt den Film für «seine atemberaubende Ästhetik, seine poetische Ausstattung, das meisterhafte Schauspiel und die Art und Weise, wie er die Türen zu einer Fantasiewelt öffnet». Upon Sunrise des serbischen Regisseurs Stefan Ivančić erhält den CH Cinema Network Award und Easter Day des ukrainischen Filmemachers Mykola Zasieiev den Seniors’ Jury Award.
Das junge Schweizer Filmschaffen steht im Mittelpunkt des Kurzfilmprogramms mit Werken von Studierenden der fünf Schweizer Filmhochschulen. Der Foreign Visa Award geht an Recherche personne prête à tout contre somme considérable von Maéna Hirt (ECAL) und der Special Emerging Talent Award an Eggshells von Beth Barnes (ZHdK). Beide Nachwuchspreise werden von den kolumbianischen Filmschaffenden der Sektion Neues Territorium verliehen. Den Prix Röstigraben schliesslich gewinnt Fynn Gröber (HSLU) für Warten bis zum Ruck.
Die Preisverleihungen gingen mit der Ehrung der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania zu Ende. Diese erhielt den ersten Fribourg Cinema Award, der eine Persönlichkeit auszeichnet, welche die Welt mit ihrem Filmschaffen auf herausragende Weise bereichert. Der Preis in Form eines Universitätsdiploms wurde von Katharina Fromm, Rektorin der Universität Freiburg, übergeben.
Schon jetzt steht fest, dass das FIFF 2026 einen neuen Publikumsrekord aufstellen und die 51’193 offiziellen Eintritte (Kinoeintritte und Online-Aufrufe) aus dem Jahr 2025 übertreffen wird. Die endgültigen Zahlen werden nach dem Abschluss des Online-Angebots, das bis Ende April läuft, mitgeteilt. Nicht inbegriffen in diesen Zahlen sind die zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Rahmenveranstaltungen, insbesondere jener im Nomad Wood Nest, dem neuen Festivalzentrum. Dieses hat das treue Festivalpublikum ebenso angelockt wie Personen, die das FIFF erst kennenlernten, sowie aktuelle und künftige Partnerinnen und Partner. Mathieu Fleury, der seine letzte FIFF-Ausgabe als Vereinspräsident erlebte, freut sich über den Erfolg: «Das Festivalzentrum, von dem ich seit meinem Amtsantritt im Jahr 2018 geträumt habe, und der erneute Publikumsrekord sind wichtige Meilensteine für die weitere Entwicklung des Festivals. Das FIFF vereint alle Publikumsgruppen und alle Sektoren, welche den Reichtum und die Magie der Region Freiburg ausmachen. Ich bin glücklich, meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger ein Festival in voller Blüte übergeben zu dürfen.»
Auch der künstlerische Leiter Thierry Jobin zeigt sich zum Abschluss des Festivals begeistert: «Das grösste Geschenk, das wir jedes Jahr von unserem Publikum erhalten, ist sein Vertrauen, und ich glaube, dass wir diesem gerecht werden. Wir haben oft von den Schlüsselmomenten in der Geschichte des Festivals gesprochen, und diese Ausgabe war einer davon, vielleicht der wichtigste. Das FIFF hat in lokalen und internationalen Kulturkreisen, aber auch in Politik und Wirtschaft auf sich aufmerksam gemacht und spricht ein immer breiteres Publikum an. Mit diesem Schwung bereiten wir schon jetzt die Ausgabe 2027 vor.»
Im Anschluss an die Schlussfeier vom Samstag wurde der Film Homo Sapiens? von Mariano Cohn und Gastón Duprat gezeigt, der grösste argentinische Kinoerfolg des Jahres 2025. Wer das FIFF noch etwas verlängern möchte, hat dazu ab sofort auf Festival Scope die Gelegenheit, wo alle Kurzfilme aus dem Wettbewerb sowie einige Filme aus der Sektion Neues Territorium: Kolumbien zu sehen sind. Auch Filmperlen in Zusammenhang mit der Sektion Genrekino: Merci Maman! sind online zu entdecken, und zwar eine Auswahl an Schweizer Produktionen und Coproduktionen bei Play Suisse sowie einige Filme und Serien bei filmfriend, einer Plattform der europäischen Bibliotheken. Diese drei Angebote sind bis Ende April gratis verfügbar.
Die 41. Ausgabe des FIFF findet vom 12. bis zum 21. März 2027 statt.
Projektion der ausgezeichneten Filme
Sonntag, den 29. März – Rex 1
11:00: Sonderpreis der Jury, My Father's Shadow
13:30: Best International Short Film Award, Prehistoric, und Grand Prix, Divine Comedy
16:00: Audience Award, DJ Ahmet
