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FIFF 2018    16 > 24.03 FIFF-Kontakt
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Das FIFF 2017 im Herzen des Kinos

Freddy Buache (© Cinémathèque suisse. Tous droits réservés), Marco Solari (© Locarno Festival), Myret Zaki, Malcolm Braff.
Freddy Buache (© Cinémathèque suisse. Tous droits réservés), Marco Solari (© Locarno Festival), Myret Zaki, Malcolm Braff.

Das FIFF 2017 im Herzen des Kinos

Das Internationale Filmfestival Freiburg kündigt für das Programm vom 31. März bis zum 8. April die Sektionen an, die die Schwerpunktthemen ergänzen. Dabei werden die Filmkunst und die Geschichte des Kinos intensiv durchleuchtet. Zunächst führt die Sektion Entschlüsselt in die Geheimlehren des Films ein. Dann wird die Geschichte der 7. Kunst neu gelesen: In der Sektion Hommage à…: präsentiert der Gründer des Schweizer Filmarchivs, Freddy Buache, die fünf Werke, die ihm am meisten ans Herz gewachsen sind. Und schließlich wird eine weitere Carte Blanche vergeben, einer jener Freibriefe, die das Markenzeichen des FIFF sind, und zwar in der Sektion Diaspora: Myret Zaki, die Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazin Bilan, hat sich für fünf populäre Komödien entschieden, die sie sich gerne anschaut, wenn sie die Sehnsucht nach ihren ägyptischen Wurzeln überkommt. Mit diesen drei Ankündigungen sind die Parallelsektionen nun komplett, denn drei Kategorien kannten wir schon: Neues Territorium: NepalSur la carte de Douglas Kennedy und Genrekino: Gespenstergeschichten. Als grosser Freund des Festivals wird dieses Jahr Marco Solari, Präsident des Locarno Festival, die Ehre haben, die Festlichkeiten zu eröffnen. Auch wenn die komplette Film- und Gästeliste des 31. FIFF erst am 15. März bekannt gegeben wird, freut sich das Festival, den Vorhang bereits ein wenig zu lüften und einige Filme und Events vorstellen zu können. Dazu gehören der Eröffnungs- und Schlussfilm, sowie eine Weltpremiere, die Malcolm Braff live musikalisch untermalen wird.

Der Dokumentarfilm The Eagle Huntress von Otto Bell porträtiert die erste Adlerjägerin der Mongolei. Er eröffnet das 31. FIFF am 31. März in einer hellen Stimmung. Dieses Jahr lädt das FIFF Marco Solari (Präsident vom Locarno Festival) ein, das rote Band durchzuschneiden. Das Locarno Festival feiert im August sein 70. jähriges Jubiläum.  Dagegen ist die Tonlage des Schlussfilms, eine Schweizer Premiere, am 8. April schon düsterer, denn The Birth of a Nation von Nate Parker handelt von einem Sklaven, der sich dreissig Jahre vor dem Sezessionskrieg gegen die Sklaverei auflehnt. Insgesamt bietet das FIFF 2017 rund 130 Lang- und Kurzfilme an, zum Teil als einzigartige Veranstaltungen. Wie zum Beispiel am 6. April im Rahmen von Genrekino: Gespenstergeschichten, wenn Malcolm Braff die Weltpremiere eines erstaunlichen Films, für den er ebenfalls den Soundtrack geschrieben hat, auf dem Klavier begleiten wird: Bumbai Bird vom Schweizinder Kamal Musale.

Entschlüsselt: Ein filmisches Kuriositätenkabinett
Die thematische Sektion des FIFF bemüht sich jedes Jahr, qualitativ hochwertige Filme zusammenzutragen, die der Verleih bzw. andere Festivals nicht auf dem Radar haben. Nach Themen wie Das Bild des Islams im Okzident (2012) oder Können Sie über alles Lachen? (2015) fiel in den vergangenen Monaten auf, dass sich derzeit extrem viele hervorragende Filme mit dem Kino selbst  beschäftigen. Das Verschwinden der Filmrolle hat sowohl das Wesen des Mediums, als auch die Art der Produktion, des Filmkunstverständnisses und die Bewahrung dessen Erbes verändert. An diesem grundlegenden Wendepunkt untermauern manche Filmschaffende die kulturelle und soziale Bedeutung des Kinos, indem sie auf das Vergangene zurückgreifen. So präsentiert der Schweizamerikaner Alexandre O. Philippe seinen gerade beim Sundance vorgestellten Dokumentarfilm 78/52 als Schweizer Premiere: ein Film, der die Duschszene aus Alfred Hitchckocks Psycho in eineinhalb Stunden auf faszinierende Weise entschlüsselt.

Diaspora: Myret Zaki und Ägypten
Myret Zaki
, die scharfsinnige Wirtschaftsanalystin und Chefredakteurin des Bilan, deren Gesicht und Stimme in der Westschweiz fast jeder kennt, ist eine engagierte Frau. Sie zieht nun diese spezielle Carte Blanche, die Emigranten die Möglichkeit gibt, Filme vorzustellen, welche sie an ihre Heimatländer erinnern. Damit folgt sie auf den Zeichner Patrick Chappatte (Libanon), die Hockey-Legende Slava Bykov (Russland) sowie die Regisseure Atom Egoyan (Armenien), Tony Gatlif (Roma) und Mira Nair (Indien). Myret Zaki veranschaulicht mit fünf Filmen, die Nicht-Ägyptern allesamt unbekannt sein dürften, die ökonomischen Realitäten ihres Herkunftslandes von den 40er- bis in die 90er-Jahre. Zeugnisse aus einer Zeit, als die Menschen von den Waffen des Volkes Gebrauch machten: Humor, Gesang und Tanz.

Hommage à…: Freddy Buache
In der Sektion Hommage à…, die bereits der Unermesslichkeit des iranischen Kinos (2014) oder dem Mut der Syrer (2015) gewidmet war, hat sich der Name Freddy Buache für das FIFF-Team wie von selbst ergeben. Der Löwe des Schweizer Filmarchivs von 1951 bis 1995 nahm den Vorschlag des Festivals mit Begeisterung an, fünf seiner Lieblingswerke auszusuchen. Dazu meinte Thierry Jobin, der künstlerische Leiter des FIFF: «Freddy hat das Leben von uns allen, die wir den Geist des Kinos atmen, verändert. Die endlosen Berichte des Bundes über seine linken Aktivitäten (um es höflich auszudrücken) brauchen wir nicht zu lesen. Wir wissen auch so, dass Freddy Buache schon lange vor dem FIFF die kulturelle Vielfalt verteidigte. Er öffnete uns die Augen über das Filmschaffen im Osten und darüber hinaus. Er erinnerte uns an die Grundwerte einer Ausdrucksform, die kaum jemand so engagiert in der Kunstbetrachtung hochgehalten hat. Es wurde Zeit, dass er endlich hochgehalten wird.»

Partnerschaften und Neuigkeiten
Das FIFF 2017 verfügt über ein Budget von 2,2 Millionen Franken. In den vergangenen Monaten konnten neue Mitglieder und Partner gewonnen werden. Vor allem, und das ist ein Novum in diesem Jahr, unterstützen drei Sponsoren je eine ganz spezifische Sektion: Die SRG SSR trägt zur Finanzierung aller Rencontres, Debatten und Table Ronde zusätzlich zum traditionellen Think Tank bei. Die Freiburgischen Verkehrsbetriebe (TPF) beteiligen sich zusätzlich an der Hilfe durch den Kanton für Planète Cinéma, das größte Schulprogramm der Schweiz mit derzeit über 10.000 Teilnehmenden und die Mitternachtsvorführungen werden dank Wall Street English stattfinden können, dem ersten Sponsor in der Geschichte des FIFF, der sich für eine Parallelsektion engagiert. Das Festival hofft sehr, dass sich diese neue Art der Partnerschaft in der Zukunft durchsetzen wird. Denn so können die immer originellen und vielfältigen Sektionen unterstützt werden, die gewissermaßen den Rohstoff für die Veranstaltung bilden. Schließlich müssen die Organisatoren die Herausforderungen meistern, die sich aus dem ständig steigenden Erfolg bei stagnierenden finanziellen Mitteln ergeben. Um die Finanzierungsmöglichkeiten zu erweitern hat das FIFF-Komitee beschlossen, einen FIFF CLUB nach dem Vorbild des Leopard Clubs von Locarno zu gründen: Für CHF 5 000 bzw. CHF 10 000 Franken können interessierte Privatpersonen und Unternehmen VIP-Privilegien erwerben, um das FIFF von innen heraus zu erleben. Dabei treiben das FIFF weder ein Hang zum Luxus noch der Größenwahn an. Wir hoffen einfach, dass diese Initiative bei all denen Anklang findet, die das Festival lieben.

Festival International de Films de Fribourg

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